Die größten Städte: Wo die Hälfte der Deutschen wohnt

Kleine Fingerübung zur Seminarvorbereitung: Die Karte unten zeigt die größten Städte Deutschlands, in denen summiert 50 Prozent der Bevölkerung leben.
Daten aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamts (Zensus 2011). Shapefile-Grenzen vom geodatenzentrum.de.

Zusammen sind es übrigens 402 Städte und Gemeinden. Als kleinste Stadt ist Idar-Oberstein mit 28.878 Einwohnern dabei. In der Summe vereinen die 402 Städte insgesamt 40.149.845 Einwohner. Die anderen 40.178.055 Deutschen wohnen in kleineren Städten oder Gemeinden.

Warum jeder Verlag eine (gute) Webseite braucht

TL;DR: Der Verzicht auf eine Webseite kommt dem Online-Selbstmord gleich.

Der von mir hochgeschätzte Johnny Haeusler rät in der WIRED Verlagen, ihre Webseiten dicht zu machen und ganz in Soziale Netzwerke umzuziehen.

Ich will jetzt nicht Troll-mäßig draufhauen. Aber: Ich halte das für ziemlichen Unsinn.

In der vergangenen Woche saß ich mit den Redakteurinnen und Redakteuren einer kleinen Print-Zeitschrift zusammen, um über ihre Web-Strategie zu sprechen. Ich sage „Print-Zeitschrift“, da der Titel von seinem Verlag (noch) keine Webseite spendiert bekam. Bislang müssen die Mitarbeiter also mit dem leben, was sie haben: Facebook, Twitter & Co. Vier Gründe warum das problematisch ist:

Grund 1: Twitter, Snapchat und Youtube passen nicht so recht zur Zielgruppe. Bleibt also vor allem Facebook. Und obwohl Facebook angekündigt hat, journalistische Quellen im Ranking besser zu gewichten, ist die Ausbeute oft enttäuschend. Nur 10 bis 20 Prozent der Fans sehen die Beiträge, an guten Tagen mal 30 bis 40 Prozent. Aber: Der Trend geht nach unten. Klar, Facebook will Geld machen, indem Beiträge beworben und Reichweite erkauft wird.

Grund 2: Aber auch die tollste Facebook-Seite bringt wenig, wenn keine Homepage existiert, auf die verlinkt werden kann. Denn nicht alles, was eine Webseite kann, ist in Facebook möglich: Interaktives Storytelling, Quizze usw.

Grund 3: Bei einem Leben ohne Webseite wird es zudem so gut wie unmöglich, einen vernünftigen Newsletter an den Start zu bringen. Viele Redaktionen haben gemerkt, dass sie mit gut gemachten Newslettern eine höhere Reichweite und eine höhere Leserbindung erreichen, als mit Social Media (abhängig von Titel und Zielgruppe).

Grund 4: Last but not least gibt es so gut wie keine Auffindbarkeit für die Internetnutzer, die ihr Informationsbedürfnis über Suchmaschinen stillen. Sprich: ohne Webseite sind Inhalte nicht googlebar.

Jedoch: Die Webseite 1.0 – Logo rechts oben, Navigation und Seitenfuß – ist auch nicht mehr der beste Weg, Inhalte zu präsentieren. Die Seiten von Quartz und Vox weisen den Weg. Sie verzichten auf die klassische Anordnung und orientieren sich viel stärker am geänderten (immer mehr Tablet-basierten) Surf-Verhalten der Nutzer.

WDR/NDR Zeitzeichen 20.10.2014: 1714 – Die Krönung von König Georg I.

Endlich ‚mal wieder etwas für’s Radio gemacht – und zwar ein „Zeitzeichen“ über den ersten Deutschen auf dem britischen Thron:

Als Interviewpartner standen Rede und Antwort:

Dr. Ulrike Weiß, Universität St. Andrews

Prof. Dr. Arnd Reitemeier, Universität Göttingen

Benjamin Bühring, Universität Göttingen

 

 

Und für alle, die mitlesen wollen, kommt hier das Manuskript:

 

 

Autor

Georg der Sechste, König von England und Vater von Queen Elisabeth der Zweiten. – Sein Stottern rührte im Kino Millionen Menschen zu Tränen…

 

O-Ton Trailer “King’s Speech”

[„Weil ich stottere…“]

 

Autor

Nach dem Welterfolg des Films “The King’s Speech”….

 

O-Ton Trailer “King’s Speech”

[“Nur beim V haben Sie noch gestottert“ „Das war Absicht, ich wollte das man mich erkennt“]

 

Autor

heißt es jetzt “The King’s Speech Zwei”!

Wir erleben den Vorfahr: Georg den Ersten von England

[Musik endet ]

 

O-Ton König Georg (Sprecher)

Hello, mai nähm is Georg. Ei ähm aus Hannover. Ei ähm ze Kink of Gräit Brittn.

 

O-Ton Sprachlehrer (Sprecher engl Akzent)

Perfect, Sir! Almost perfect…my Royal Highness – Das Volk wird Sie lieben!

 

Autor

Auch er hatte Probleme mit der englischen Sprache – Georg der Erste, kam er doch als Deutscher auf die Insel, um die Herrschaft über die Briten anzutreten.

 

[Musik endet auf Akzent]

 

Autor (00:22)

Wie das Leben seines Nachfahren Georg des Sechsten bietet das Leben Georg Ludwigs des Ersten, des Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg, genug Stoff für einen abendfüllenden Kinofilm. Und das nicht nur, weil er als erster Deutscher heute vor genau 300 Jahren zum König von England gekrönt wurde.

 

Seltsam auf alle Fälle, wie die Briten überhaupt auf den Gedanken kamen, einen deutschen Fürsten zu importieren und ihm die Krone aufzusetzen.

 

O-Ton Arnd Reitemeier (00:15)

„Wenn man das mal von hinten aufzäumt: Das Englische Parlament hatte 1701 beschlossen, dass die Mutter von Georg, Kurfürstin Sophie, auf den englischen Thron folgen sollte.“

 

Autor (01:00)

Sagt Arnd Reitemeier, Professor für Geschichte an der Universität Göttingen. Das englische Parlament hatte im so genannten “Act of Settlement” die Thronfolge festgeschrieben. Das sollte Stabilität bringen, nach der man sich dringend sehnte. England im 17. Jahrhundert war ein Krisenherd. Es gab unzählige religiöse Auseinandersetzungen, König Charles I. wurde geköpft, einer anderer, nämlich James II., vertrieben.

 

Autor

Im Jahr 1700 starb der letzte noch lebende Sohn der amtierenden Queen Anne aus dem Hause Stuart mit nur elf Jahren. Er war auch der letzte in der 1689 festgelegten Thronfolge. Für das englische Parlament stellte sich plötzlich die Frage: Wer sollte Queen Anne nachfolgen? Wer langfristig stabile Verhältnisse garantieren? Eines war für die Mächtigen in London klar, sagt Ulrike Weiß, Professorin an der Universität St. Andrews:

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:26)

„Von ganz entscheidender Bedeutung war natürlich die Konfession. Der Herrscher in England ja zugleich der oberste Kirchenherr seit der Reformation. Er war der ‚Defensor Fidei’, Defender of the Faith, Verteidiger des Glaubens. Und damit wäre die gesamte Gesellschaftsordnung zusammengestürzt, wenn ein Katholik an der Macht gesessen hätte.“

 

Autor

Mit dem „Act of Settlement“ fiel die Wahl auf Sophie von der Pfalz. Als Tochter von Elisabeth Stuart zu dem Zeitpunkt die einzige protestantische Nachkommin der Könige von England und Schottland – und sie war die Witwe von Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg. Doch Sophie starb Anfang Juni 1714. Ihr Sohn Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg war an der Reihe.

 

Nur zwei Monate später starb Queen Anne in London. Georg Ludwig war 54 Jahre alt, als er König Georg der Erste wurde. Immerhin ein betagter Mann für damalige Verhältnisse. Einer mit Vergangenheit…

 

Musikpuffer

 

Bei der Krönung in Westminster Abbey fiel den zahlreichen Gästen peinlich auf, dass jemand fehlte – eine Ehefrau an seiner Seite.

 

Sophie Dorothea – Georgs Gattin und Cousine ersten Grades – waren aus machtpolitischen Gründen verheiratet worden. Sie hatte als junge Frau gegen eine goldene Regel verstoßen: Ein Fürst durfte Mätressen haben…eine Fürstin eben nicht.

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:14)

„Nun hat aber Sophie Dorothea sich in eine Liebesaffäre gestürzt mit einem flotten jungen Oberst, dem Grafen von Königksmarck. Eine mehrjährige Liebesbeziehung, viele Briefe ausgetauscht, die auch alle nicht vernichtet wurden – alles hochgefährlich.“

 

Autor (00:08)

Die berühmte Königsmark-Affäre! Ein Skandal, über den ganz Europa sprach. Der schwedische Offizier und die Welfen-Fürstin.

 

O-Ton Weiß (00:13)

Als es zu brisant wurde, hat ihr Schwiegervater, Ernst-August, dafür gesorgt, dass Königsmarck beiseite geschafft wurde – im Wortsinn. Er ist komplett von der Bildfläche verschwunden, auch seine Leiche ist nie mehr aufgetaucht.

 

Autor (00:10)

Die Fürstenehe wurde geschieden und Sophie Dorothea verbannt. Sie verbrachte den Rest ihres Lebens, immerhin 30 Jahre, im Hausarrest auf Schloss Ahlden – in einem Dorf zwischen Hannover und Bremen. War ihr Ehemann Georg Ludwig der Mörder Königsmarcks?

 

O-Ton Weiß (00:16)

„Das Mordkomplott – man kann vermuten, Georg Ludwig hat ( … ) nichts gewusst. Falls er was gewusst hat, hat man sehr geschickt dafür gesorgt, dass er zur passenden Zeit nicht in Hannover war, er befand sich in Berlin.“

 

Autor (00:07)

Geschieden war Georg Ludwig, als er 1714 nach London reiste. Aber längst nicht allein. Die Presse merkte an:

O-Ton Sprecher (00:07)

„Georg kam nach England mit 18 Köchen und zwei Geliebten. Eine sehr dick und die andere sehr schlank und groß.“

 

Autor (00:20)

„Elephant and Maypole“ spotteten die Engländer, Elefant und Maibaum. Dabei war die, na ja, „Dicke“ gar keine Geliebte, sondern Georgs Halbschwester. Und die große, schlanke Melusine von der Schulenburg war Georgs Liebe seines Lebens. Drei illegitime Kinder verband sie mit dem König, das Verhältnis hielt bis zum Tod. Die Engländer maulten – aber sagten später:
O-Ton Sprecher (00:05)

“Für uns war sie eine Königin wie jede andere.”

 

Autor (00:14)

Stabilität, Sicherung der Herrschaft – das waren die Hauptziele von Georg. Doch Widerstände gab es vor allem von katholischer Seite aus. Und auch der doppelte Wohnsitz in England und Deutschland machte das Regieren nicht einfacher. Der Historiker Benjamin Bühring von der Universität Göttingen:

 

O-Ton Benjamin Bühring (00:19)

“Das Phänomen der Abwesenheit ist eines, das sowohl die Regierungszeit des Königs als auch des Kurfürsten prägt. Denn in einem der Territorien war er zwangsweise immer abwesend, trotz Personalunion, das heißt, der papierende Austausch musste für eines der Territorien immer erfolgen.”

 

Autor (00:07)

Zwei Länder, ein König – da war Logistik gefragt.

 

O-Ton Benjamin Bühring (00:15)

„Die Betreiber der hannoverschen Post haben sich schon wenige Monate nach Beginn der Personalunion beschwert, dass man in einem Monat so viel Post transportieren müsse wie sonst in einem Jahr nicht. Da sie das für den Kurfürsten kostenlos tun mussten, war das tatsächlich ein großer Finanzfaktor.”

 

Autor (00:23)

Die Akten gibt es alle noch, sie liegen im Staatsarchiv in Hannover. Ein Schatz für die Historiker. Die Personalunion von Großbritannien und Hannover, sie sollte 123 Jahre halten – bis 1837 Queen Viktoria den englischen Thron bestieg, in Hannover jedoch Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen waren.

 

(Musikakzent)

 

Die Engländer zu Georgs Zeiten hatten das Zittern um die Thronfolge satt. Dass der König aus Deutschland gleich einen Sohn mit nach London brachte – umso besser!

 

Allerdings: Vater und Sohn – Georg der Erste und der spätere Georg der Zweite – verband eine intime Feindschaft. Arnd Reitemeier:

 

O-Ton Arnd Reitemeier (00:21)

„Sein Sohn, der erste Prince of Wales seit langem, der wieder ernannt wurde, er hatte keine etablierte, eingefahrene Rolle im politischen Leben in London. Und an der Stelle entzündete sich dann tatsächlich ein gewisser Streit, weil dieser Sohn gleich Thronfolger in vieler Hinsicht machtlos blieb, keine wirkliche Aufgabe hatte.“

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:19)

„Zum Teil wurde der Prince of Wales instrumentalisiert von den Ministern. Es hat sich quasi die politische Gegenseite um den Prince of Wales versammelt. Und er hat nichts dazu beigetragen, das nicht zuzulassen – sagen wir es mal vorsichtig.“

 

Autor (00:20)

Wie in jeder guten Familie eskalierte das ganze Dilemma in einem besonders feierlichen Moment. 1717 hatte Prinzessin Caroline, die Frau von Georg dem Zweiten, einen Sohn zur Welt gebracht. Erst konnten sich Georg der Erste und sein Sohn nicht auf einen Namen einigen, dann wollte der König auch noch den Taufpaten bestimmen. Für den Prince of Wales war das zu viel. Ulrike Weiß:

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:11)

„Bei der Taufe kam es zum großen Eklat. Daraufhin wurde der Prince of Wales nicht nur von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen, sondern aus dem Schloss verbannt.“

 

Autor (00:11)

Familienstreit, Ehekrach, Aufstände und Finanzkrisen – langweilig konnte man das Leben von Georg I. wirklich nicht nennen. Und: Wie war er selbst im vergleich mit seinen Nachfolgern?

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:35)

„Bis heute gelten alle George, aber vor allem die ersten beiden in der britischen Geschichtsschreibung als im besten Falle „honest blockheads“, ehrliche Dummköpfe. Bisschen hölzern, bisschen steif oder auch sehr verschlossen. Aber in ganz starkem Maße wirkt sich die Propaganda der Gegenseite, der katholischen Stewards nach, die ihm gerne so dargestellt haben. Speziell Georg I bot viel Angriffsfläche, denn er war tatsächlich wohl ein verschlossener Mensch.“

 

Autor

Verschlossen ja, aber ein ehrlicher Dummkopf, ein Banause? Bereits in seiner Zeit in Hannover hatte Georg die Qualitäten des jungen Komponisten Georg Friedrich Händel erkannt – und ihn dort als Kapellmeister engagiert. Dass Händel später überhaupt in London Fuß fasste und zu Weltruhm gelangte – auch daran hatte Georg seinen Anteil. Händel revanchierte sich mit einem Werk, das in die Musikgeschichte eingehen sollte: die „Wassermusik“ zelebrierte der Künstler auf der Themse:

 

(Wassermusik, Suite Nr. 2 in D-Dur, HWV 349, Alla Hornpipe, 7 Sek freistehen lassen, weiterlaufend)

 

O-Ton Sprecher

„Am Mittwochabend, ungefähr um acht, begab sich der König mit Gefolge in offenen Barken auf eine Bootsfahrt. Sie fuhren flussaufwärts nach Chelsea. In einem Schiff der Stadtgilde spielten die Musiker, die über 50 Instrumente jeglicher Art verfügten. Sie spielten den ganzen Weg von Lambeth die schönsten, besonders für diesen Anlass von Mr. Händel komponierten Sinfonien, welche Seiner Majestät derart gefielen, dass sie auf dem Hin- und Rückweg dreimal wiederholt werden mussten.“

 

Autor

Händel blieb – von kurzen Reisen abgesehen – den Rest seines Lebens in Großbritannien. Genau wie Georg I.

 

(Ende Wassermusik)

 

O-Ton Sprecher Georg I (00:12)

„My fello zitizen. Ai äm jor Kink, Georg ze Först.“

 

Autor (00:10)

Und die Sprachprobleme? Alles nur schlechte Propaganda? Die Historikerin Ulrike Weiß:

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:21)

„Die Anti-Hannoversche Propaganda hat gerne behauptet, der sei so blöd gewesen, der hat noch nicht mal die Landessprache gesprochen. Er hat sie ungern gesprochen, auch weil es mit seiner königlichen Ehre unvereinbar war, so rumzustammeln.“

 

O-Ton Arnd Reitemeier (00:13)

„Daraus wurde in der öffentlichen Meinung er konnte gar kein Englisch, und das wiederum blieb dann gleichsam im öffentlichen Gedächtnis haften – und da kommt nun die Geschichtswissenschaft und sagt: Das stimmt so nicht, das muss man im Kontext sehen.

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:26)

„Ein holländischer Diplomat, namens Albert van der Meer, der ihn beobachtet zu Anfang des 18. Jahrhunderts, schreibt: „Er hält gute Disziplin in seinen Truppen und gute Ordnung in seinen Finanzen. Er hat ein besonderes Talent zu den Staatsgeschäften, hat gesunden Menschenverstand und ebensolches Urteilsvermögen.“ Das ist eine Einschätzung, die nicht dem propagierten Bild entspricht.

 

[Musikakzent]

 

Autor (00:20)

Georg der Erste starb mit 67 Jahren am 22. Juni 1727. Sein Tross befand sich auf dem Weg in das geliebte Hannover. Es war die sechste Heimreise seiner Regierungszeit. Doch der Tod wartete schon in Osnabrück. Er erlitt einen Schlaganfall. Ein Begräbnis in Westminster Abbey kam für Georg nie in Frage. Und so wurde er in der Kapelle des Leineschlosses beigesetzt, später in die Welfengruft in den Herrenhäuser Gärten überführt.

 

 

Autor (00:10)

Was bleibt vom ersten Deutschen auf dem Englischen Thron?

Immerhin das bekannteste Amt der britischen Politik:

 

O-Ton Arnd Reitemeier (00:25)

„Unter Georg dem ersten etablierte sich, dass die zentrale Institution das Schatzamt war, The Treausry. An der Spitze stand der First Lord of the Treasury, also der erste der Lords des Schatzamtes. Und aus ihm entwickelte sich der erste Minister, the Prime Minister. Und nun gab es mit Robert Walpole eine überaus machtvolle Gestalt.

 

Autor (00:07)

Und nicht nur das Amt und seines Inhabers Robert Walpole, auch der Amtssitz hat eine eigene Geschichte

 

O-Ton Arnd Reitemeier (00:25)

„Downingstreet No. 10, das ist tatsächlich das Haus, das einem der deutschen Minister Georgs I. gehörte und dann unter Georg II. Walpole geschenkte wurde. Und seitdem regiert nun eben Cameron in Downingstreet No 10, und an dem Ort der gleichsam für die Personalunion, die Verbindung zwischen deutscher und englischer Herrschaft steht.“

 

Autor (00:20)

Bekanntlich sitzen die Deutschen bis heute auf dem englischen Thron. Queen Elisabeth die Zweite ist eine direkte Nachkommin von Georg I. Und der Name „Windsor“ ist nur ein anderer Name aus einer Zeit, als alles Deutsche während des Ersten Weltkriegs einen schweren Stand auf der Insel hatte.

 

O-Ton Ulrike Weiß (00:25)

„Unterm Strich ist das königliche Haus immer noch deutsch (lacht). Ich weiß nicht, ob man das so auf die Spitze treiben sollte. Denn George III hat schon bei seinem Thronantritt gesagt „I glory in the name of Britian…“

 

Autor (00:25)

Die Personalunion zwischen England und Hannover – sie wirkt nach bis heute. Und so wird sich mancher in Hannover gefreut haben, als William und Kate 2013 bekannt gaben: Ihr Erstgeborener solle George heißen – und voraussichtlich als Georg der Siebte den Thron besteigen. Dort, wo vor 300 Jahren Georg Ludwig, Kurfürst von Braunschweig und Lüneburg, zum König von Großbritannien gekrönt worden ist.

 

O-Ton Sprecher Georg I (00:10)

God save the King! Sänk you!

Xaver, Sandy und Co: Quellencheck von Twitter-Fotos

Das einzige, was unsere moderne Welt noch aus den Angeln heben kann, sind: Naturkatastrophen. Da Erdbeben und Meteoriten hierzulande nicht so häufig sind, bleiben uns vor allem Unwetter und Hochwasser. Unwetter-Sondersendungen erreichen Rekordeinschaltquoten und entsprechende Online-Artikel treiben die Klickzahlen in die Höhe. Vor allem, wenn die Bilder mächtig und bedrohlich wirken.

In solchen Situationen greifen Journalistinnen und Journalisten, die in Onlinemedien arbeiten, gerne auf Material aus den Sozialen Netzwerken zurück. Zusätzlich zu den Nachrichtenagenturen gibt es bei Facebook, Twitter, Instagram und Co. Fotos von der „Crowd“ da draußen. In Fällen wie Sturmtief Xaver ist Crowdsourcing in der Tat eine gute Möglichkeit für einen Newsroom, die Quellenlage zu erweitern. Wie sieht es auf Helgoland aus? Ist der Hamburger Fischmarkt schon überschwemmt? Und halten die Deiche an der Nordseeküste?

Twitter = Kein KurzNACHRICHTENdienst ?

Das Misstrauen vieler Nachrichtenkolleginnen und –Kollegen gegenüber Informationen aus den Sozialen Netzwerken ist nach wie vor groß. Noch vor ein paar Tagen durfte ich auf Einladung von GEP, Grimme Institut und ARD.ZDF-Medienakademie auf dem Podium bei den Frankfurter Hörfunkgesprächen über dieses Thema diskutieren. „Bei uns heißt Twitter nicht ‚Kurznachrichtendienst‘ – denn Nachrichten werden dort nicht verbreitet. Das machen wir“, sagte Ulli Janovsky, Leiter der Hörfunknachrichten beim Hessischen Rundfunk. Dort vertraut man vor allem auf die Agenturen und die eigenen Reporter und Korrespondenten vor Ort.

Als zusätzliche Quelle immer wichtiger

Und dennoch: Vor allem bei „Breaking News“ wird Twitter für Journalistinnen und Journalisten in Nachrichtenredaktionen immer wichtiger. Die Reporter vom NDR konnten während der letzten Elbeflut so Informationen aus erster Hand bekommen, ich Echtzeit. Und wussten so von anlaufenden Evakuierungen noch bevor die Bestätigung von Krisenstab vorlag.

Der „Frankenstorm“ Sandy in den USA hat aber auch gezeigt: Nicht allen Fotos von gewaltigen Wolkenfronten, Überschwemmungen ist zu trauen. Photoshop lernt man heute bereits in der Schule – und eine Montage ist schnell gemacht und ins Netz gestellt. Das erste Foto dieses Mashable-Artikels scheint aus einem Roland Emmerich-Blockbuster zu stammen. Und in der Tat haben viele namhafte Medien das Bild gedruckt, gesendet, weiterverbreitet. Dass es sich um einen Fake handelte, war vielen Journalistinnen und Journalisten nicht klar.

Der Trick: Bilder-Rückwärtssuche

Dabei gibt es mittlerweile gute Werkzeuge, um so etwas herauszufinden. Bei Fotos ist das zum einen die Google Bilder Rückwärtssuche und die Webseite Tineye.com. Bei beiden kann man ein Foto hochladen, das dann auf seine Farb- und Helligkeitswerte untersucht wird. Die beiden Suchmaschinen spucken als Resultat nicht nur Webseiten aus, auf denen das Foto verwendet wurde (vielleicht wurde es auf einigen Seiten bereits als Fake entlarvt), sondern zeigen auch optisch ähnliche Bilder. Wenn eine Montage aus zwei Bildern zusammengesetzt ist, kann man so die Originalbilder finden. Bei dem „Sandy“-Foto wird schnell klar: Es ist eine Montage aus einem Foto der Freiheitsstatue sowie einem Bild einer Tornado-Superzelle, das erstmals 2004 findet.

Auch bei „Xaver“ gab es wieder falsche Bilder, die sogar teilweise von den Mainstream-Medien aufgegriffen wurden. Ich selbst habe eine – sehr offensichtliche – Montage verbreitet, die den Hamburger Hafen zeigt. Das Foto wurde hunderte Male re-tweetet – und oft als echt erachtet. An dieser Stelle sei hingewiesen auf das Original-Bild von enbodenumer auf Flickr, das dort unter einer CC BY-NC-SA 2.0 veröffentlicht wurde.

„Falsch“ bedeutet übrigens nicht unbedingt gephotoshoppt. Oft handelt es sich um ein viel älteres Bild, oder es zeigt einen anderen Standort als in dem Text/Tweet angedeutet. Die Kollegen der Rhein-Zeitung haben eine schöne Bildergalerie zu den aktuellen Fakes zusammengestellt.

GPS-Standort in den Exif-Daten

Eine weitere Möglichkeit neben der Rückwärtsuche ist die Metadaten-Analyse. Man kann sogenannte Exif-Daten aus Bildern auslesen zu lassen, zum Beispiel mit dem Firefox Plugin „Exif Viewer“. In den Exif-Daten stehen über 100 Informationen, vom Zeitpunkt der Aufnahme, über Blende, Blitz, Belichtung bis hin zu einem Mini-Thumbnail des Originalbildes und den GPS-Daten. Mit einem Klick öffnet sich die Google Map und zeigt den Standort des Fotografen an. Dafür muss das Foto mit einem Handy oder einer GPS-fähigen Kamera aufgenommen worden sein.

Das Problem mit den Exif-Daten: Beim Hochladen auf Twitters Fotoplattform, auf Facebook oder Instagram werden diese Metainformationen gelöscht.

Redaktionen, die Bilder aus Twitter verwenden wollen (z.B. zum Abdruck) sollten deshalb folgenden Weg gehen: Da sie nach deutschem Recht eh die Nutzungsrechte einholen müssen, sollten sie sich das Original-Foto noch einmal per Email als JPG-Datei mailen lassen. Da ist nicht nur die Auflösung besser, sondern auch die Exif-Daten bleiben erhalten. (Wichtig: Theoretisch lassen sich natürlich auch Exif-Informationen manipulieren.)

Auf Details achten

In den Social Media-Recherche-Workshops, die ich z.B. für die ARD.ZDF-Medienakademie leite, geht es aber nicht nur um die technische Überprüfung. Vielmehr sollen die Kolleginnen und Kollegen auch einen Blick für die Details bekommen. Denn auf den Fotos selbst sind Informationen zu sehen, die sich verifizieren und falsifizieren lassen, z.B.:

  • Kleider
  • Straßen
  • Häuser
  • Fahrzeuge (u.a. Steuer links od. rechts?)
  • Kennzeichen
  • Flaggen
  • Waffen
  • Wetter
  • Schatten

Im Zweifel: Nicht veröffentlichen

Am Ende sind dies aber auch nur Hinweise. Im Zweifel sollten sich Journalistinnen und Journalisten auf zwei Dinge besinnen. Erstens: Die goldene Regel, dass es immer mindestens zwei Quellen (= zwei Fotos) von dem gleichen Ereignis geben muss. Zweitens: Wenn ein Foto zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es häufig genau das: nicht wahr.

The Twitter Search is broken – are they going to fix it?

I work as a journalist and media trainer literally around the globe. For journalists, Twitter is becoming more and more important as a news source. As a journalist, you don’t have to tweet yourself, but you have to know how Twitter works and how you can suck first-hand information out of it – that’s my mantra.

The problem is: For some time now, Twitter’s own search seems to be broken.

In the list of search operators (go to https://twitter.com/search-home and click on „operators“), Twitter lists the operator “near”.

Twitter’s search operators

The near operator is supposed to give you results from a specific location, let say my hometown Hamburg or Manila on the Philippines. But if you try the operators near:“Hamburg“ within:15mi (you can use the advanced search, too), you will get results that show everything – but almost no tweets from Hamburg. In fact, some of the tweets are geo-located in Scotland or Asia:

There are some Twitter tools which you can use to look for geo-located tweet, like Geofeedia and Geochirp. But it is sad, that Twitter’s own search seems to be so unreliable.

Maybe the should team up with Google again. ;)

Kurz protokolliert 21/08/13: WordPress, Google Forms, Journalismus